Die diesjährige Firmung stand unter einem Bild, das viele sofort verstanden haben: das Leben als Baustelle. Schon in der Vorbereitung, wie auch im Gottesdienst selbst, zog sich dieses Motiv wie ein roter Faden durch alle Elemente – von der Begrüßung bis zur Predigt und den Fürbitten. Es war ein Bild, das ehrlich ist, lebensnah und zugleich voller Hoffnung.
Wer an eine Baustelle denkt, hat schnell Bilder im Kopf: Unordnung, Lärm, Umwege, vielleicht auch Unsicherheit. Genau so erleben viele junge Menschen – und nicht nur sie – ihr eigenes Leben. Es ist nicht fertig. Es gibt Pläne, aber nicht alles läuft nach Plan.
In der Predigt griff Domkapitular Auer dieses Bild wieder auf: Jeder Mensch ist gewissermaßen „im Bau“. Niemand ist schon fertig, niemand hat schon alles erreicht oder verstanden. Und genau darin liegt keine Schwäche, sondern eine Wahrheit über unser Leben. Sie zeigt, dass etwas wächst und Gestalt annimmt.
Ein zentrales Motiv aus dem Evangelium griff Domkapitular Auer in der Predigt ebenfalls auf: das Fundament. Denn jede Baustelle braucht einen tragfähigen Untergrund. Ohne Fundament wird kein Gebäude stabil stehen. Für das Leben der Christinnen und Christen bedeutet dieses Fundament: Vertrauen in Jesus Christus. Es geht dabei nicht um abstrakte Lehren, sondern um eine lebendige Beziehung. Da ist jemand, der mich kennt, der mich beim Namen ruft, der mich begleitet. Genau das wurde den Firmlingen zugesprochen: dass sie auf diese Freundschaft bauen können.
Ein besonderer Höhepunkt der Firmung ist die Zusage des Heiligen Geistes. Domkapitular Auer versuchte wunderbar dieses oft schwer greifbare Geschenk verständlich zu machen: Der Heilige Geist ist die Liebe Gottes selbst, die in unser Leben hineinkommt. Er ist die Kraft, die Angst verwandeln kann – so wie damals bei den Jüngern an Pfingsten. Er ist die Inspiration, die Mut macht, neue Wege zu gehen. Und er ist die Gegenwart Gottes, die bleibt, auch wenn wir sie nicht sehen können.
Für die Firmlinge wurde deutlich: Die Firmung ist kein einmaliges Ereignis, das schnell vorbei ist. Sie ist vielmehr ein Anfang – ein persönliches „Pfingsten“, das ihr Leben begleiten will.
Ein besonders eindrücklicher Gedanke war, dass scheinbar kleine Worte eine große Bedeutung haben können. Wenn ein Mensch sagt: „Ich liebe dich“, dann sind das nur wenige Worte – und doch öffnen sie eine ganze Welt. Ähnlich ist es mit den Worten der Firmung: „Sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist.“ Für Außenstehende mögen sie schlicht klingen. Für die, die sie empfangen, sind sie jedoch eine tiefe Zusage: Gott kennt dich. Gott steht zu dir. Gott begleitet dich.
Domkapitular Auer ermutigte in der Predigt die Firmlinge, sich nicht mit anderen zu vergleichen. Denn der Wert eines Menschen hängt nicht davon ab, was er besser oder schlechter kann als andere. Entscheidend ist, die eigenen Talente zu entdecken und zu entfalten. Manchmal sind es gerade die unscheinbaren Fähigkeiten – etwa gut zuhören zu können –, die für andere von unschätzbarem Wert sind.
So wurde die Firmung 2026 zu einem Fest der Hoffnung. Ein Fest, das deutlich machte: Das Leben muss nicht perfekt sein. Es darf eine Baustelle sein. Wichtig ist, dass wir ein tragfähiges Fundament haben, dass wir Menschen an unserer Seite wissen und dass wir darauf vertrauen dürfen: Gott baut mit. Oder, wie es im Gottesdienst auf den Punkt gebracht wurde: Baustellen sind keine Orte des Scheiterns – sondern Orte der Veränderung, an denen Neues entstehen kann.
Mit diesem Vertrauen gehen die Firmlinge nun ihren weiteren Weg – gestärkt, begleitet und getragen von der Zusage Gottes. Passend dazu verteilten die Gefirmten eine Botschaft als Mitgebsel an alle Gottesdienstbesucher. Bausteine aus Zucker sollten als Erinnerung an diesen besonderen Tag dienen. Am Ende des feierlichen Gottesdienstes dankte Dekan Feuchtinger Domkapitular Auer, dem Firmvorbereitungsteam, allen Patinnen und Paten, den Ministranten, sowie dem Chor „Heavenlight“ für die berührende musikalische Gestaltung.



