Manchmal braucht es keine großen Requisiten, keine riesige Bühne und kein kompliziertes Thema. Manchmal reicht ein einfacher Becher. Genau so begann der Mini-Max-Tag 2026 der Pfarrverbands-Ministranten. Mit einem Becher in der Hand und der überraschend tiefgründigen Frage: Wie gefüllt bin ich heute eigentlich?
Schon beim Ankommen war ein Becher zentral vor dem großen Kreuz im Meditationsraum von St. Max. Nicht gefüllt mit Kaffee oder Limo, sondern mit Gedanken. Bin ich randvoll mit Energie? Halb voll mit guter Laune? Oder eher leer – ausgelaugt vom Schulstress, genervt von Mathe, müde vom Alltag? Schnell wurde klar: Ein Becher ist viel mehr als ein Trinkgefäß. Er ist ein ziemlich ehrliches Bild für unser Leben.
In der thematischen Einheit, die Gemeindereferent Felix Sanftleben ausgestaltet hatte, stand zunächst ein leerer Becher im Mittelpunkt. Ein leerer Becher, der bereit ist, aber eben leer. Langsam wurde Wasser hineingegossen. Plötzlich hatte er Gewicht, Inhalt und eine Bedeutung. Und genau das passiert auch mit uns. Was uns füllt, gibt uns Substanz. Freunde, Familie, Musik, Hobbys, Erfolg, Glaube – all das kann unseren inneren Becher füllen. Aber es wurde auch ehrlich darüber gesprochen, was ihn leert: zum Beispiel Druck, Streit, Mobbing, Stress oder das Gefühl, nicht dazuzugehören.
In diesem Zusammenhang begegnete der Gruppe dann ein starkes Bibelwort: „Du salbst mein Haupt mit Öl, du füllst mir reichlich den Becher.“ (Psalm 23) Ein voller Becher war zur Zeit der Bibel ein Zeichen: Du bist willkommen und Du gehörst dazu. Sogar — wie es im Psalm heißt — ein übervoller Becher, der klar werden lässt: Gott gibt nicht nur „gerade genug“, er schenkt großzügig.
Spannend wurde es, als dann der Blick auf den Kelch im Gottesdienst gerichtet wurde. Beim letzten Abendmahl nahm Jesus den Kelch, teilte ihn und machte deutlich: Dieser Becher steht für Hingabe, Liebe und Mut. Besonders für unsere Ministrantinnen und Ministranten bekam dieses Bild plötzlich Gewicht. Wer den Kelch trägt, steht ganz nah am Geschehen. Ganz nah an diesem Geheimnis des Glaubens.
Doch ein Tag im Haus St. Maximilian wäre nicht der Max-Tag ohne eine ordentliche Portion Action. Das Chaos-Spiel machte seinem Namen alle Ehre. Es wurde gerannt, gesucht, gerechnet, diskutiert, gejubelt. Strategien wurden in Windeseile entwickelt und ebenso schnell wieder verworfen. Zwischendurch hörte man Sätze wie: „Das war ganz anders geplant!“ oder „Wer hat eigentlich die Nummer 17 gesehen?!“ Was nach Durcheinander klang, entpuppte sich als Teamarbeit in Höchstform.
Und als wäre das noch nicht genug, folgte ein Spiele-Feuerwerk, das seinesgleichen sucht: „Peng“, „Obstsalat“, „Zeitungsschlagen“, „Story of a Little Pony“, „Elfenwald“ – spätestens beim „Theatralischen Sterben“ war klar, dass hier schauspielerisches Talent schlummert, das dringend einen Oscar verdient hätte. Es wurde geblinzelt, diskutiert, gelacht, empört protestiert und wieder versöhnt. Der Becher der Freude lief definitiv über.
Zwischen all dem Lachen gab es aber auch ganz persönliche Momente. Jede und jeder bekam einen eigenen Becher – als Symbol für das eigene Leben, das eigene Herz. In einer kurzen Stille durfte jede Person sich fragen: Wie sieht mein Becher gerade aus? Eher leer? Halb voll? Randvoll? Oder läuft er vielleicht sogar über? Anschließend wurde gestaltet. Farben, Worte, Symbole fanden ihren Platz auf den Bechern. „Das füllt mein Leben.“ – „Das wünsche ich mir.“ – „Das möchte ich weitergeben.“ Am Ende standen sie alle in der Mitte: 32 Becher. 32 Persönlichkeiten. 32 Geschichten. Kein Becher glich dem anderen – und doch gehörten sie zusammen.
In einer letzten Runde wanderte ein Becher von Hand zu Hand. Jede Person sagte nur ein Wort, das vom Tag bleibt. „Freude.“ – „Chaos.“ – „Team.“ – „Mut.“ – „Respekt.“ – „Laut.“ – „Gemeinschaft.“ Mehr brauchte es nicht. Und vielleicht bleibt genau dieses Bild: Ein Becher ist nur dann wirklich wichtig, wenn er geteilt wird. Beim letzten Abendmahl gab es nicht für jeden einen eigenen Kelch. Ein Kelch – viele Menschen. Niemand bleibt außen vor.
Der Mini-Max-Tag 2026 war laut und leise zugleich. Chaotisch und tiefgehend. Spielerisch und ernst. Und alle unsere Minis gingen mit der Gewissheit nach Hause, dass Gott unsere Becher kennt – und sie füllen will.



